Erfahrungsbericht


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Hey! Mein Name ist Philipp und mit diesem kleinen Bericht will ich versuchen, dir meine Eindrücke und Erfahrungen mit der Organisation You4Ghana, der Freiwilligenarbeit in Ghana und dem Land selber zu beschreiben. Ich selbst hatte die Möglichkeit für sechs Wochen von Mitte August bis Ende September in Ghana Teil eines Bauprojekts zu sein. Während dieser Zeit war ich im Volunteerhaus von You4Ghana in dem idyllischen Dorf Obo-Kwahu untergebracht.

 

Vor der Reise

Nach ausgiebiger Internetrecherche bin ich wahrscheinlich genau wie du auf die Internetseite von You4Ghana gestoßen. Nachdem ich alle Infos gelesen habe und den Entschluss gefasst habe in dieses Abenteuer starten zu wollen, schrieb ich meine erste Email an You4Ghana. Der Gründer der Organisation Torben hat sehr schnell geantwortet und mir dabei schon einen sehr angenehmen und positiven Eindruck vermittelt. Als Torben mir ein paar Emails später den Starttermin für das Bauprojekt mitteilte, ging die weitere Anmeldung sehr schnell und unkompliziert. Nachdem ich angemeldet war, buchte ich meinen Flug mit der British Airways von München über London nach Accra und zurück. Zum Flug selber kann ich nicht viel sagen, da alles Reibungslos verlief. Ein wenig komplizierter als die Anmeldung bei Torben war die Beantragung des Visums für Ghana. Hierbei hat mir vor allem die Beschreibung im Vorbereitungspacket sehr geholfen. Wenn man den Anweisungen der Botschaftsseite Schritt für Schritt folgt und alle Unterlagen einreicht, sollte auch das Visum kein Problem sein. Nach ca. zwei Woche erhielt ich meinen Reisepass mit bewilligtem Visum zurück.

 

Die Tage vor dem Start stellte sich natürlich noch die Frage, was man als Gepäck mitnimmt. Da ich zwei Gepäckstücke mitnehmen durfte, tat ich dies auch. Jedoch muss ich sagen, das hier weniger vielleicht mehr gewesen wäre. Da die Möglichkeit besteht, entweder selbst oder durch eine sehr nette „Waschfrau“ zu waschen, benötigt man nicht allzu viel Kleidung (Projektabhängig). Durch meine recht unhandliche Reisetasche, erschwerte sich das Reisen durch Ghana ein wenig, hier wäre ein Backpacker wohl sinnvoller gewesen.

 

Zum Thema Impfungen kann ich dir nicht viel sagen, da ich nur die Gelbfieberimpfung gemacht habe. Es gab aber auch Freiwillige die sich gegen alles Impfen ließen. Hier solltest du dich am besten von einem Experten beraten lassen, auch was eine Malariaprophylaxe angeht. Unerlässlich ist ein Mückenspray und eine gewisse Vorsicht bei deiner Nahrung.

Die Ankunft

Nach einer kurzen Nacht und einem Tag an Flughäfen und in Flugzeugen erreichte ich gegen 9 Uhr Accra. Bereits in der Ankunftshalle des Flughafens wird klar, dass man sich in einem Entwicklungsland befindet. Es gibt keine Läden oder Restaurants und alles ist funktional gehalten. Die Beamten an der Einreise und die Leute der Gepäckausgabe arbeiteten in einem eher gemäßigten Tempo, sodass hier ein wenig Geduld erforderlich war. Alles in allem habe ich den Flughafen zwei Stunden nach meiner Ankunft verlassen, ich saß aber auch ganz hinten im Flugzeug was mir den letzten Platz in der Schlange an der Passkontrolle bescherte.

 

Sobald du das Flughafengebäude verlasst, wirst du vom Lärm der umherstehenden Taxifahrer förmlich erschlagen, aber nach ein paar Sekunden entdeckte ich zu meiner Erleichterung das You4Ghanaschild in den Händen von Steve, einem der Koordinatoren vor Ort. Der Empfang war sehr herzlich und ich hatte direkt das Gefühl willkommen zu sein.

 

Die anschließende Taxifahrt nach Obo war mein erstes Erlebnis in Ghana. Wir wurden gefühlt alle 20 Kilometer angehalten und der Taxifahrer musste seine Papiere vorzeigen, was jedoch völlig normal ist. All dies tat der guten Stimmung und regen Unterhaltung im Taxi aber kein Abbruch und nach 3 Stunden Fahrt auf teilweise sehr holprigen Straßen erreichten wir die Unterkunft. Dort angekommen wurde mir mein Zimmer gezeigt, welches sich im Erdgeschoss des Hauses befand. Das Zimmer bestand aus zwei großen Betten und einem Tisch, Spiegel, Stromadapter, etc. Mein Bett war bequem und da es inzwischen 2.00 Uhr war, packte ich schnell meine Decke aus und schlief ziemlich erledigt ein.

 

Das Freiwilligenhaus war ziemlich genauso wie ich es mir vorstellte. Es hat mehrere Duschen, die teilweise nur mit Eimern funktionieren und ebenso mehrere europäische Toiletten. Du darfst hier kein Hotel nach europäischem Standard erwarten, aber nachdem man sich an das kalte Duschen dort gewöhnt hat, fehlt es einem eigentlich an nichts. Vielleicht musste auch nur ich mich daran gewöhnen, da ich ein ziemlicher Warmduscher bin.

Der erste Tag

Da mein Mitbewohner erst in der Folgewoche kam, hatte ich die ersten Nächte ein „Einzelzimmer“. Das Zimmer lag direkt zwischen der Küche und dem Zimmer von Nana, Fiifi und deren Tochter Princess. Da alle in dem Haus Frühaufsteher sind, auch um das Frühstück vorzubereiten, wurde man in diesem Zimmer immer als erster wach, woran ich mich aber nach ein paar Tagen gewöhnte. Die Matratze war sehr bequem und ich konnte genau wie mein Mitbewohner super schlafen.

 

Direkt nach dem Aufstehen hatte ich Gelegenheit die zahlreichen anderen Freiwilligen kenn zu lernen. Hierzu kann ich nur sagen, dass ich das Glück hatte, dass wirklich alle Freiwilligen die zu meiner Zeit in Ghana waren außerordentlich nette Leute waren. Natürlich versteht man sich in einer solch großen Gruppe mit dem einen mehr und dem anderen weniger, aber alles in allem gab es nie Streit oder irgendwas der gleichen. Ebenso waren die Reisen am Wochenende oder am Abschluss meiner Reise immer in einer großen Gruppe, was wirklich sehr viel Spaß gemacht hat. Im weiteren Tagesverlauf wurde ich direkt in mein Projekt eingeführt und zahlreiche organisatorische Dinge, wie den Kauf der ghanaischen Simkarte wurden erledigt. Wie sich rausstellte ist das Internet sogar in einem relativ abgeschiedenen Bergdorf wie Obo zuverlässig genug um WhatsApp-Anrufe tätigen zu können, auch wenn ich das nur zweimal tat.

Die Gastfamilie / Die Leute vor Ort

Ebenfalls am ersten Tag hatte ich die Gelegenheit die Gastfamilie kennen zu lernen. Der Gastvater Fiifi ist ein wirklich sympathischer und sehr intelligenter Mann, der während des gesamten Aufenthalts immer bemüht war, es allen so angenehm wie möglich zu machen. Da Ferien in seiner Schule waren, hatte er mehr Zeit als üblich um Torben bei der Organisation der Projekte zu helfen. Ein paarmal kam es zu kleineren Diskussion zwischen Fiifi und den Freiwilligen, die hauptsächlich aus den unterschiedlichen Lebensweisen zwischen uns Deutschen und den Ghanaern resultierten. Hierbei meine ich solche Dinge wie zum Beispiel den Wasserverbrauch. Da zum Ende meines Aufenthalts die Trockenzeit anstand, musste vermehrt darauf geachtet werden Wasser nachhaltig zu nutzen, da es hier keine Wasserleitungen gibt und daher nur begrenzte Speichermöglichkeiten. Hier war Fiifi immer höflich bemüht uns die Bedeutung des Wassers klar zu machen, da man es sich als Deutscher sehr schwer vorstellen kann, was Wasserknappheit bedeutet.

 

Nana, die Frau von Fiifi, ist eine sehr herzliche Dame, die stets um das leibliche Wohl aller besorgt ist. Sie ist sehr führsorglich und half einem bei allen Problemen. Die Kinder der beiden sind ebenfalls sehr sympathisch, aber da sie die meiste Zeit selbst in der Schule, bzw. bei Freunden sind, sieht man vor allem die älteren kaum. Einzig die jüngere Tochter Princess ist häufiger zuhause. Sie ist ebenfalls ein sehr herzliches junges Mädchen und manchmal vielleicht ein bisschen überdreht, aber das wirst du selbst noch rausfinden.

 

Stephen ist wie oben schon beschrieben neben Torben der Koordinator vor Ort. Er ist einfach gesagt ein super Typ. Er ist stets bemüht allen Freiwilligen den Aufenthalt so schön wie möglich zu gestalten. Er scheut auch keine Mühen dir das Land und die Kultur näher zu bringen. So nimmt er die Freiwilligen immer mit zum sog. Chief der Region, der so eine Art royale Stellung innerhalb der dörflichen Gesellschaft hat. Des Weiteren hilft Stephen selbst in den Projekten und holt die Freiwilligen vom Flughafen ab, organisiert Reisen und vieles mehr.

 

Zuletzt ist noch Torben zu erwähnen, der zusammen mit Fiifi die Organisation gegründet hat und so zu sagen das Herz und die Seele von You4Ghana ist. Dank Torben wurde die Zeit in Ghana für mich so unvergesslich. Er ist wahnsinnig bemüht es allen so schön und erlebnisreich wie möglich zu gestallten. Dabei gibt er jedem das Gefühl willkommen zu sein und unterstütz dich von der Planung bis zur Abreise in allen Belangen. Er ist äußerst geduldig und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Auch bei den Reisen hilft er euch bei der Planung oder begleitet euch, wodurch ihr das Land und die Gesellschaft noch viel besser kennen lernen könnt. Außerdem hilft er dir bei jedem Problem, sei es das irgendwas im Projekt nicht so läuft wie du es dir vorgesellt hast, dein Visum verlängert werden muss oder du irgendwelchen anderen Kummer/Sorgen loswerden willst.

Das Projekt

Unser Projekt war der Bau eines KWIP für eine Grundschule unweit vom Volunteerhaus. Dabei handelt es sich um ein Plumpsklo mit Belüftung. Hierfür waren die ersten drei Wochen damit beschäftigt ein 3x3x4m Loch zu graben. Dies war neben der logistischen auch eine körperliche Herausforderung. Mit der Zeit half jeder mal einen Tag oder auch mehrere bei unserem Projekt mit. Da wir immer im Team gearbeitet hatten wir trotz der körperlichen Belastung viel Spaß und es wurde nie langweilig. Als wir fertig mit unserem Loch waren und dies ausgiebig gefeiert haben (es gibt sehr gutes und günstiges Club-Bier in Ghana!) wurde das Fundament gelegt und die Wände für das Klo gemauert. Hierbei hatten wir „Unterstützung“ von Einheimischen Maurern, deren Erfahrung im Bauen von Häusern eher fragwürdig erschien. Als ich das Projekt verließ, stand der letzte Abschnitt des Hochbaus an. Die Bilder zum Projekt findet ihr übrigens auf der Facebookseite von You4Ghana.

 

Wenn du dich für ein anderes Projekt entscheidest, kann ich selbst nur von den Erzählungen der anderen Freiwilligen berichten. Vor allem der Aufenthalt im Krankenhaus schien für die angehenden Ärztinnen eine tolle Erfahrung gewesen zu sein in der Sie mehr machen durften, als sie sich zu Beginn zutrauten. Von den Projekten Kindergarten/Schule/Waisenhaus wurde auch nur gutes Berichtet.

 

Das Essen

Das Essen in Ghana ist im Vergleich zum europäischen Essen deutlich schärfer (zumindest wenn man hier nicht scharf ist). Die Gerichte die euch im Freiwilligenhaus serviert werden sind durch die Bank super und absolut genießbar. Jeder hat hier sehr schnell sein Lieblingsessen gefunden, dass sich natürlich bei jedem etwas unterscheidet. Generell ist es beim Essen wichtig offen für alles zu sein, sofern man sich sicher ist, dass das Essen korrekt und vor allem keimfrei zubereitet worden ist! Ich habe viele Gerichte probiert und dabei viele neue leckere Geschmäcker entdeckt. Ich kann dir nur empfehlen: trau dich du wirst es nicht bereuen. Mein Lieblingsessen waren wohl Yam-Wurzeln, eine Art Kartoffeln mit Naana´s eigener Soße. Aber auch das landestypische FuFu ist sehr lecker, wenn auch deutlich schärfer. Zum Frühstück gibt es immer Rührei mit angebratenem Toast. Mittags gab es oft frittierte Essbananen oder scharfe Instantnudeln. Nach der Zeit wirkte das Essen für manche etwas monoton, aber man hat immer selbst die Gelegenheit in einem der vielen umliegenden Hausläden Obst oder Gemüse zu kaufen um ein bisschen Vielfalt reinzubringen.

 

Die Reisen

Während meines Aufenthalts in Ghana gab es viele Möglichkeiten zu reisen um vieles vom Land zu sehen. Dabei gab es manchmal unter der Woche und vor allem am Wochenende Ausflüge die ein oder zwei Tage dauerten. Es gibt sehr vieles zu sehen in Ghana: Wasserfälle, Voltasee, Märkte, Nationalparks, Meer, Strand und vieles mehr.

 

Ich hatte zweimal die Gelegenheit unterschiedliche Strände in Ghana zu besuchen. Die erste Reise gestaltete sich sehr komfortabel, da wir unser eigenes TroTro hatten, welches uns zum Strand von Kokrobite in das Hotel Big Millys fuhr und wieder abholte. Ein Trotro ist eigentlich ein umgebauter Sprinter oder ähnliches in welches zusätzliche Sitzplätze (bis zu 20) eingebaut wurde und eigentlich das Hauptverkehrsmittel in Ghana ist. Die Ferienanlage Big Millys ist wohl die kommerziellste in ganz Ghana und dadurch bei allen Einheimischen im ganzen Land bekannt. Der Strand ist hier sehr schön und auch das Essen im Hotelrestaurant war hervorragend. Hier musste man am Strand ein wenig auf seine Wertsachen achten, da ein paar Diebesbanden ihr Unwesen trieben. Die zweite Reise war direkt vor meinem Rückflug und dauerte fast eine Woche. Das schwerste an der Reise war direkt zu Beginn der herzliche Abschied von den Leuten im Freiwilligenhaus und vor allem von der Gastfamilie. Dann fuhren wir mit dem Trotro ins Stumble Inn am Strand von Elmina. Dieser Strand war noch schöner als in Kokrobite und fast völlig verlassen. Hier konnten wir sogar selbst ein Lagerfeuer am Strand machen, was ein unvergesslicher Abend wurde. Am nächsten Tag besuchten wir die Sklavenburg von Elmina. Ich kann dir nur empfehlen dir ebenfalls sowas zu besichtigen, da dies eine sehr interessante, wenn auch bedrückende Erfahrung war. Das Ende der Reise war in Accra wo wir nochmals eine Nacht zusammen in einem Hotel verbachten ehe die anderen wieder zurück nach Obo fuhren und ich dem Ende meines Abenteuers ins Auge schaute.

 

Zum Schluss

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich ein Buch über meiner Erfahrung schreiben könnte. Der kleine Bericht soll dir nur einen Einblick in das geben, was dich erwarten könnte.

 

Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte diese Erfahrung zu machen und bin schon am Überlegen nochmal nach Ghana zu reisen. Das Land ist insgesamt viel sicherer als ich es mir vorgestellt hatte. Bei allen unseren Reisen oder im Dorf musste ich mir nie Sorgen um meine Sicherheit haben. Natürlich wurde ich nach Geld gefragt oder in die ein oder andere unangenehme Situation gebracht, aber niemals so, dass ich mich verpflichtet oder gar bedroht fühlte, auch die weiblichen Freiwilligen haben nichts anderes berichtet. Die Leute in Ghana sind wirklich sehr nett und offenherzig, daher solltest du keine Angst davor haben neue Erfahrungen zu machen.

 

Falls du noch mehr wissen willst, oder Fragen hast, darfst du dich selbstverständlich gerne bei mir melden, ansonsten wünsche ich dir viel Spaß bei dieser großartigen Erfahrung.

 

Tübingen, Oktober 2016

Philipp